Mile hat sich das Buch bereits vor Jahren gekauft. „Der perfekte Tipp – Statistik des Fußballspiels“ heißt das Werk von Andreas Heuer. Wissenschaftlich-mathematisch korrekt wird darin die perfekte Tippstrategie wie eine Art heiliger Gral für Arme versprochen. Was dabei herauskam, dokumentiert die Gesamtwertung des Bundesliga-Tippspiels. Acht Spieltage vor dem Saisonende dümpelt Mile auf einem enttäuschenden 20. Platz. Zu gut, um den DS9-VfB zu spielen und ans untere Tabellenende zu rutschen, zu schlecht, um nach oben zu blicken. Und so wie Mile geht es vielen. Vielen Experten, Kenner der Szene und Insider. Warum das so ist, wird schon in der Einleitung des Buchs klargestellt: „Wer auf Fußballspiele tippt, profitiert nur zu 14 Prozent von seinem Sachverstand.“ Vielleicht tröstet dies Spratz und Andi ein wenig. Beide schlossen den vergangenen Spieltag mit null Punkten ab. Ein besonderer Dank gilt übrigens Marcel. Der Bayern-Fan verfolgte die Partie gegen Borussia Mönchengladbach live in der Allianz-Arena, schickte der DS9-Redaktion ein Beweisfoto und fuhr am Ende mit einer Niederlage nach Hause. Vielmehr hat uns allerdings überrascht, dass mit Winnix selbst ein eingefleischter Gladbach-Fan auf die Bayern getippt hatte. Ich denke, darüber müssen wir noch sprechen.

Katjas Sachverstand

Jetzt wissen wir auf jeden Fall, warum Katja souverän an der Spitze steht und vermutlich diesen Platz auch bis zum Saisonende nicht mehr abgeben wird. Sachverstand hin oder her: es wird ihr egal sein. Aber die Männer-Experten-Welt rätselt. Und verzweifelt. Daher hat sich Mile durch das 322 Seiten dicke Werk gequält, das für einen ehemaligen Mathemail-Grundkurs-Teilnehmern ungefähr so einfach zu verstehen ist, wie das vertikale Verschieben in der Vierer-Abwehrkette für den Stuttgarter Daniel Schwaab. Womit wir wieder beim Sachverstand wären. Nein, Sachverstand ist beim Tippen tatsächlich eher hinderlich. Stellen wir also noch einmal klar und verweisen auf das Buch: Der Ausgang eines typischen Bundesligaspiels ist zu 86 Prozent Zufall. Das sagt Andreas Heuer, der nicht nur Fußballfan sondern Professor für Physikalische Chemie an der Universität Münster ist. Er behauptet auch, dass sich „in den letzten Jahren gezeigt hat, dass es Mannschaften mit einem niedrigeren Marktwert sehr schwer haben, unten rauszukommen. Teuere Teams hingegen setzen sich oben fest“. Welchen Etat hat noch einmal der VfB?

Ein interessanter Ansatz ist auch, dass die Anzahl der Torchancen entscheidend ist. Denn gute Teams zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie ihre Chancen besser verwerten. Nein, sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich mehr Chancen erarbeiten. Heute: „Langzeitstatistiken zeigen, dass es keine Unterschiede in der Chancenverwertung der Teams gibt.“ Die Chancenverwertung pendele sich bei allen Teams irgendwo bei 25 Prozent ein. Es gebe zudem keine Angstgegner. Jedes Spiele beinhalte die gleichen Chancen. Eine These, die die vermeintlich künftige Gesamtsiegerin 2014/2015, Katja, schon seit Saisonbeginn umsetzt: Die größten Chancen, das richtige Ergebnis zu tippen, habe man bei einem 2:1 oder einem 1:2. Beides sind die häufigsten Ergebnisse. Zudem geht jede vierte Partie unentschieden aus. Die Quote eines guten Tippers liege bei 50 Prozent Trefferquote. Als bei jedem zweiten Spiel sammelt der Tipper Punkte. Katja liegt im Moment bei einer Quote von 52 Prozent.

 

 

Aber warum steht Katja nun tatsächlich an der Spitze? Es ist der Glücksfaktor. Während sich Wissen wie erwähnt nur mit 14 Prozent niederschlägt, überwiegt in diesem Fall offenbar die weibliche Intuition. Unvergessen in diesem Bereich war auch Simones Tippstrategie bei der EM 2012, als sie ihre Tipps nach einem Besuch in der Metzgerei ihres Vertrauens und dem dort aufgebauten Wurststadion samt Ergebnis abgab und damit fast Gesamtsiegerin wurde. Auf jeden Fall brachte sie damit Magic an den Rand des Wahnsinns. Dass neben dem Studium von Tabellen, Fachzeitschriften, Internet-Statistikseiten und Fachgespräche mit einem Mann durchaus andere Entscheidungskriterien herangezogen werden können, bewies spätestens die WM 2010. Denn wie sonst könnte man sich den Kultstatus einer Krake sonst erklären. Die DS9 versucht mit Meerschweinchen und Hasen dagegen zu halten, inzwischen sind alle längst verstorben. Die Tipps sind aber weder besser noch schlechter geworden.

Zwei Millionen Tipper

Die Redaktion der Schwarzen Neun wollte es jetzt aber noch genauer wissen und blickt dazu ein wenig hinter die Kulissen. Janine Vagen, der Chef von www.kicktipp.de, auf dessen Plattform auch das DS9-Bundesliga-Tippspiel freundlicherweise läuft, verriet im Interview mit „Der Welt“: „Harakiri-Tipps sind der größte Fehler. Mann kann schon einmal auf den Außenseiter setzen, aber zu riskante Tipps sind kontraproduktiv.“ Auch auf ein 4:0 würde er nie setzen. „So viele Tore fallen selten. Selbst wenn ich denke, dass ein Spiel so ausgeht, würde ich immer 2:0 tippen. Da ist die Chance eines Treffers immer höher.“ Die Tippspiel-Plattform gehört inzwischen zu den Webseiten in Deutschland mit dem meisten Traffic. Höhepunkt war bisher im Juni 2014 während der Fußball-WM in Brasilien, als die Webseite 113,1 Millionen Besuche verzeichnete. Das heißt, die Seite wurde häufiger angeklickt als beispielsweise Focus online oder der Kicker. In Spitzenzeiten verzeichnen die Server mehr als 10.000 Zugriffe pro Sekunde. Im Moment sind bei Kicktipp rund zwei Millionen Tipper in 200.000 Tipprunden registriert. Weitere Hintergründe zu Kicktipp lieferte der oben verlinkte WDR-Beitrag aus dem Jahr 2014.

Und jetzt seid Ihr an der Reihe. Wir würden gerne wissen, welche Tippstrategie ihr verfolgt? Schreibt das in die Kommentare. Und wenn ihr keine Tippstrategie habt, dann könnt Ihr das auch schreiben. Außerdem würde uns interessieren, wie Ihr mit den wöchentlichen Enttäuschungen umgeht. Denn nicht jeder profitiert schließlich davon, dass er eine Frau ist.} else {

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3 Responses

  1. Marcel

    Ich wette, dass Michl weder weibliche Intuition noch enormen Fußball-Sach- und Fachverstand hat … anders kann sein Tagessieg nicht erklärt werden … – die Chancen stehen 70:50 🙂

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  2. Spratz

    Schaut einfach auf mein Ergebnis des letzten Spieltages -es war zum Heulen.
    Nichtmal die ollen Bayern haben mir geholfen, Bremen schenkt den Kölnern noch per 11m das 1:1. und sogar der VfB gewinnt
    Folge 0 Punkte!!!
    Bin ich jetzt nach Miles Theorie ein Experte oder nur Pech gehabt?

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  3. Mile

    @Spratz: Natürlich Experte. Schau Dir Michls Punktzahl und Deine an – die Tabelle irrt bekanntlich nie. Das ist auch in der Bundesliga so.

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